Biotopverbundplanung Blaustein
Anfang 2025 hat die Stadt Blaustein das Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) Südwest beauftragt, eine Biotopverbundplanung für Blaustein zu erarbeiten. Die Stadt trägt damit dazu bei, das Ziel des Landes Baden-Württemberg, bis 2030 auf 15% der Offenlandfläche einen Biotopverbund einzurichten, zu erreichen. Die Planung wird gefördert mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg über die Landschaftspflegerichtlinie.
Der Rückgang unserer heimischen Tier- und Pflanzenarten ist eine der größten Herausforderungen unserer heutigen Zeit. Mit Verabschiedung des Biodiversitätsstärkungsgesetzes 2020 wurden neue Vorgaben durch das Land erlassen, um dem entgegenzuwirken. So sind Kommunen aufgefordert, eine Biotopverbund-Planung für ihre Gemeindefläche erstellen zu lassen, bei der ein Planungsbüro auf Grundlage vorhandener Daten, Übersichtsbegehungen und Gesprächen mit Landwirten und Ortskundigen einen Maßnahmenplan entwickelt. Ziel ist es vorhandene Lebensräume aufzuwerten und miteinander zu vernetzen, so dass Tiere- und Pflanzenarten sicherere Rückzugsbereiche und Wanderrouten vorfinden. Dabei soll die Planung die Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz berücksichtigen und praktisch umsetzbar sein.
Warum brauchen wir einen Biotopverbund?
Der Biotopverbund im Offenland ist ein Schlüssel zum Erhalt der Artenvielfalt. In einer Zeit, in der die Biodiversität weltweit bedroht ist, wird die Schaffung eines Biotopverbunds im Offenland immer dringlicher. Ein Biotopverbund ist ein Netzwerk von Lebensräumen, das es Tieren und Pflanzen ermöglicht, sich zu bewegen, zu vermehren und genetische Vielfalt zu erhalten. Ein Biotopverbund bietet den notwendigen Raum für Wanderungen und Fortpflanzung, wodurch die genetische Vielfalt gefördert wird. Dies ist besonders wichtig in Zeiten des Klimawandels, da sich viele Arten an veränderte Umweltbedingungen anpassen müssen. Besonders im Offenland, wo landwirtschaftliche Flächen und Siedlungen oft die noch vorhandenen Lebensräume fragmentieren und beeinträchtigen, sind viele Arten gefährdet und selten geworden.
Welche Rolle hat die Stadt Blaustein dabei?
Jede Kommune trägt eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Artenvielfalt in ihrer Gemarkung. Durch die Erarbeitung – und Umsetzung - gezielter Maßnahmen zur Schaffung und Vernetzung von Biotopen kann die Stadt Blaustein aktiv zum Schutz bedrohter Arten beitragen. Dies umfasst die angepasste Pflege von Grünflächen und Straßenrändern sowie die Renaturierung von Fließgewässern und Gewässerrandpflege. Auch gezielt gesetzte Ausgleichsmaßnahmen tragen zur Schaffung von Lebensräumen bei und wirken als Verbundflächen.
Mit der Biotopverbundplanung verbindet sich der Wunsch, einzelne Maßnahmen in einen Gesamtkontext zu bringen, mit dem Ziel, die Wirkung von Maßnahmen zu verbessern. Die Stadt Blaustein möchte als Vorreiterin in der Umsetzung von Biotopverbundprojekten agieren und damit auch das Bewusstsein der Bürgerschaft für ökologische Zusammenhänge stärken. Die Etablierung eines Biotopverbunds im Offenland ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung, die die Stadt Blaustein ernst nimmt. Durch gemeinsames Handeln können wir die Artenvielfalt bewahren und eine intakte Umwelt als Lebensgrundlage für kommende Generationen sichern.
Am Freitag, 24.10.2025 kamen circa 25 Einwohnerinnen und Einwohner in den Bürgersaal in Bermaringen, um sich über die momentan laufende Biotopverbundplanung in Blaustein zu informieren. Felix Schrell vom Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz (ILN) Südwest, das die Planung für Blaustein ausarbeitet, erklärte zunächst die Gründe, Rahmenbedingungen und die Bedeutung der Planung sowie die Zielarten für Blaustein.
Die Biotopverbundplanung betrifft hauptsächlich das Offenland. Denn gerade hier sind viele artenreiche Lebensräume bereits verloren gegangen sowie viele Arten gefährdet und selten geworden. So sind beispielsweise ehemalige offene Flächen mittlerweile verbuscht oder gar bewaldet und die noch vorhandenen Offenland-Lebensräume werden oftmals von Siedlungen sowie landwirtschaftlichen Flächen fragmentiert und beeinträchtigt.
Dabei kommt den trockenen Standorten – vor allem in Blaustein – aufgrund der zahlreichen Felsen, Wacholderheiden und Magerrasen eine hohe Bedeutung zu. Bei den mittleren Standorten, zu welchen z. B. Streuobstwiesen und Flachland-Mähwiesen gehören, wurden 4 Schwerpunkträume definiert. Außerdem wurden feuchte Standorte, wie Nasswiesen und Gewässerlandschaften sowie die Raumkulisse Feldvögel mit den offenen Ackerbereichen betrachtet.
Mit vielen Bildern und Erlebnissen aus seiner Geländearbeit über die letzten Monate in Blaustein begeisterte Felix Schrell schon während seines Vortrags. Bei der anschließenden Geländebegehung südlich von Bermaringen konnten die Teilnehmenden dann in Praxis erleben und erfahren, wie viele verschiedene Aspekte je nach Lebensraum und Art bei der Arbeit beachtet und erfasst werden müssen und welche Rückschlüsse sich daraus für die Biotopverbundplanung und Maßnahmenvorschläge im weiteren Planungsprozess ergeben.
Bei der Veranstaltung wurden Luftbilder von 1968 gezeigt. Diese sind öffentlich beim Landeskundlichen Informationssystem Baden-Württemberg zugänglich. Dort ist auch ein direkter Vergleich mit heutigen Luftbildern möglich.
Schutzgüter wie Biotope, Naturdenkmale oder FFH-Gebiete und viele weitere Informationen finden Sie beim Daten- und Kartendienst der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg.
Hier finden Sie die Präsentation der Infoveranstaltung Biotopverbundplanung.
Umweltbeauftragte der Stadt Blaustein
Stadtverwaltung Blaustein
Roswitha McLeod
Bauamt
FB 3.21 Tiefbau, Natur und Umwelt